: Vele (1973/74) :
 
für 3 Gruppen von Äolsharfen und 3 Vokalisten
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»(…) Soweit ich mich an das Stück und ihre Beschreibung desselben erinnere, glaube ich erkannt zu haben, dass X in den Siebzigern mit mechanischen und organischen - an die menschliche Hand gebundenen Mitteln – viel eher eine Phraseologie der Klangfarben als eine der Tonhöhen verfolgte: ein Kontrapunkt sich überlagernder changierender Wellen, deren Atmung und Zäsuren einen musikalischen Duktus weit ab der formalen und rationalen, auf Tonhöhen basierenden Dialektik prägten. Solch eine Arbeit könnte man als Wiederaufnahme eines impressionistischen Diskurses in radikalisierter Form betrachten. (…)« (Auszug aus: Mario Bertoncini, 8. Dialog »Arpe eolie ed altre cose inutili)

VELE
Du, der Du hier vorbeigehst,
halt inne und lausche: Es ist der Wind.

Laß ihn sprechen.
Vergeblich: ihm Form und Zeit
zu diktieren.

Bist Du Musiker,
so messe seinen Gesang nicht
an den herkömmlichen Akzenten,
mit denen Du vertraut bist –
sein Rhythmus ist der Atem der Natur.

Und erspar’ Dir den Neid:
Dieser Atem ist ewig.

Mario Bertoncini, 8 Mai 1994

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